Der Breitbandausbau in Deutschland – wie ausgewogen ist der Ausbau für schnelleres Internet?

Deutsche Telekom – zu gewinnorientiert?

Der frühere EU-Digitalkommissar Günther Oettinger wünscht sich mehr Anstrengungen in Europa beim Breitbandausbau und dabei mehr staatlichen Einfluss auf eine digitale Grundversorgung. Günther Oettinger kritisiert die Gewinnorientierung der Deutschen Telekom beim Ausbau der digitalen Infrastruktur: „Die Telekom, die nur noch zu 32 Prozent dem Bund direkt und indirekt gehört, ist keine Caritas. Die investieren nur dort, die legen nur Glasfaser, machen nur dort Vectoring, bauen nur dort 5G, wo ein Business-Case dahinter steht im ländlichen Raum“, so Oettinger am Donnerstag auf der VDI-Tagung ELIV in Bonn. Vielleicht sei es ein Fehler gewesen, „dass man damals die gute alte Postanstalt des Bundes dreigeteilt hat“, sagte der CDU-Politiker.

Die digitale Infrastruktur sollte eine „Quasi-Daseinsvorsorge sein“

Für Oettinger sollte die digitale Infrastruktur wie Schiene, Straße, Wasser und Abwasser eine „Quasi-Daseinsvorsorge“ sein.
Der Politiker kritisierte in seiner Rede zudem die fehlende Abdeckung mit schnellen Mobilfunkverbindungen innerhalb der EU, vor allem in Grenzregionen. So bestehe die wichtigste Aufgabe darin, grenzüberschreitend in die Infrastruktur zu investieren um den neuen Mobilfunkstandard 5G in den kommenden Jahren auszurollen.

Vectoring oder Glasfaser?

Seit 2010 baut die Deutsche Telekom mit Glasfaser aus: Jährlich kommen circa 25.000 Kilometer dazu, insgesamt sind in Deutschland mittlerweile circa 455.000 Kilometer Glasfaser von der Telekom verlegt worden. Im Vergleich kommt Vodafone auf etwa 60.000 Kilometer Breitband. Das Ziel: 80 Prozent der Haushalte sollen mit mindestens 50 MBit/s versorgt werden. Damit soll das Glasfasernetzfür immer mehr Haushalte und Industriegebiete verlegt werden. Für den Ausbau setz die Telekom vor Allem in ländlichen Gebieten auf Vectoring. Dabei handelt es sich um eine Technologie, die auf VDSL aufbaut und höhere Bandbreiten ermöglicht. Bei dieser Technik bleiben die bisherigen Kupferleitungen zwischen den Haushalten und den Kabelverzweigern bestehen. Die auf dem Kupfer für eine Verlangsamung verantwortlichen Signalinterferenzen werden so abgeschwächt, dass eine Downloadgeschwindigkeit von bis zu 100 MBit/s erreicht werden kann.

Warum wird eigentlich Vectoring statt Glasfaser für den Breitbandausbau genutzt?

Anstatt völlig neue Leitungen zu verlegen, können bei der Vectoring-Technik die bereits bestehenden VDSL-Leitungen aufgerüstet werden. Folglich ist Vectoring, laut dem Telekom-Deutschland-Chef Niek Jan van Damme, eine kostengünstigere Lösung. Im Gespräch mit der Bild-Zeitung beschrieb er die Situation folgendermaßen: „Wollte man alle Haushalte anschließen, würde das mindestens 80 Milliarden Euro kosten. Abgesehen davon, dass es gar nicht die Tiefbaukapazitäten gibt, um jeden Vorgarten in Deutschland in absehbarer Zeit aufzugraben.“

Diese Grafik zeigt den Glasfaserausbau nach Kilometer der Netzbetreiber auf:

Die Netzabdeckung in Deutschland – Ihre Meinung

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Breitbandausbau gemacht? Ist Ihre Gegend bereits mit dem schnellen Glasfasernetz versorgt? Oder gehören Sie zu den Haushalten die noch nicht versorgt wurden?

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